PABA, ausgeschrieben para-Aminobenzoesäure, wird manchmal als „Vitamin B10“ oder „Vitamin Bx“ bezeichnet. Ein Vitamin ist PABA aber nicht – weder rechtlich noch ernährungswissenschaftlich. Dein Körper braucht es nicht aus der Nahrung, und für einen Nutzen im Sport gibt es keine Belege.
Was PABA ist
PABA ist ein Bestandteil der Folsäure. Bakterien brauchen es, um selbst Folat herzustellen; für viele Bakterien ist es ein Wachstumsfaktor. Der Mensch kann aus PABA dagegen kein Folat bilden. Er muss Folat fertig mit der Nahrung aufnehmen. In der Fachliteratur wird PABA deshalb als Zwischenprodukt der bakteriellen Folatbildung beschrieben, das für den Menschen nicht essenziell ist.
Daher stammt auch die Bezeichnung „Vitamin B10“, die vereinzelt noch in der Literatur auftaucht: Sie bezieht sich auf die Rolle von PABA bei Bakterien, nicht auf einen Bedarf des Menschen.
Warum es kein Vitamin ist
Als Vitamine gelten beim Menschen genau 13 Stoffe: A, D, E, K, B1, B2, Niacin, Pantothensäure, B6, Folsäure, B12, Biotin und C. Genau diese 13 listet auch die EU-Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel abschließend als Vitamine, die zugesetzt werden dürfen. PABA ist nicht darunter. Eine Bewertung von EFSA oder BfR zu PABA als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es, soweit ersichtlich, nicht.
Bekannte Risiken
Erfahrungen mit hohen Dosen stammen aus der Medizin, wo Kalium-para-Aminobenzoat als Arzneimittel in Mengen um 12 Gramm am Tag eingesetzt wurde:
- In Fallberichten traten Leberschäden auf, die auf das Medikament zurückgeführt wurden.
- In einer kontrollierten Studie bei Sklerodermie (Clegg u. a. 1994) brachen mit PABA deutlich mehr Teilnehmer wegen Nebenwirkungen ab als mit Placebo (18 gegenüber 6), vor allem wegen Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Eine Wirkung auf die Erkrankung ließ sich nicht nachweisen.
Das waren Arzneimittelmengen. Sie zeigen aber, dass PABA in hoher Dosis kein harmloser Stoff ist. PABA wirkt außerdem den Sulfonamiden entgegen, einer Gruppe von Antibiotika. Nimmst du Medikamente, kläre jede Einnahme mit Arzt oder Apotheke ab.
PABA im Kraftsport
Studien, nach denen PABA Kraft, Muskelaufbau, Regeneration oder Leistung verbessert, gibt es nicht. Für das Folat, das dein Körper tatsächlich braucht, sorgen Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn – mehr dazu im Beitrag über Folat und Folsäure.
Fazit für dich: PABA ist kein Vitamin, du brauchst es nicht, und ein Nutzen ist nicht belegt. Lass es weg.
Mehr zu den echten Vitaminen im Überblick. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, Anhang I – eur-lex.europa.eu
- Spektrum Lexikon der Chemie: Aminobenzoesäuren – spektrum.de
- Balbuena Hurtado V. u. a.: Übersichtsarbeit zur Behandlung der systemischen Sklerose, mit Einordnung von PABA als für den Menschen nicht essenziell. Current Opinion in Rheumatology (2025) – europepmc.org
- Plüß M. u. a.: Fallbericht zu Leberschäden unter Kalium-para-Aminobenzoat. Frontiers in Pharmacology (2022) – europepmc.org
- Al Attar L., Kilgore W.: Fallbericht zu Leberschäden unter Kalium-para-Aminobenzoat. Case Reports in Gastroenterology (2018) – europepmc.org
- Clegg D. O. u. a.: Kontrollierte Studie zu Kalium-para-Aminobenzoat bei Sklerodermie. Journal of Rheumatology 21(1):105–110 (1994) – europepmc.org
- Verbraucherzentrale: Vitamine und Mineralstoffe von A–Z, Stand 18.07.2025 – verbraucherzentrale.de