Überdosierung von Vitaminen: Grenzwerte, kritische Vitamine, Warnzeichen

Mit normalen Lebensmitteln ist eine Vitamin-Überdosierung kaum möglich – mit Präparaten schon. Besonders gefährdet ist, wer mehrere Produkte gleichzeitig nimmt: Multivitamin, Proteinpulver mit Vitaminzusatz, ein Booster, dazu noch ein Einzelpräparat. Hier stehen die Grenzwerte, die kritischen Vitamine und die Warnzeichen.

Zwei Arten von Grenzwerten

Die tolerierbare Obergrenze (UL) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist die höchste Menge, die du dauerhaft jeden Tag aus allen Quellen zusammen aufnehmen kannst, ohne dass ein Gesundheitsrisiko zu erwarten ist – Essen, Getränke und Präparate.

Die Höchstmengenvorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gelten dagegen für eine Tagesdosis eines einzelnen Nahrungsergänzungsmittels, für Menschen ab 15 Jahren. Sie liegen deutlich niedriger, weil das BfR die Zufuhr aus dem normalen Essen abzieht und einrechnet, dass viele Menschen mehrere Produkte nehmen. Gesetzlich verbindlich sind sie nicht: Feste Höchstmengen für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland bisher nicht.

VitaminObergrenze EFSA (alle Quellen, pro Tag)Vorschlag BfR (pro Tagesdosis eines Präparats)
Vitamin A3.000 µgbesser keins, sonst 200 µg
Beta-Carotinkeine; Raucher sollen keine Präparate nehmen3,5 mg
Vitamin D100 µg20 µg
Vitamin E300 mg30 mg
Vitamin Kkeine80 µg K1 oder 25 µg K2
Vitamin B612 mg0,9 mg
Folsäure1.000 µg200 µg (400 µg bei Kinderwunsch)
Nicotinsäure10 mg4 mg
Nicotinamid900 mg160 mg
Vitamin B12keine25 µg
Vitamin Ckeine250 mg
B1, B2, Biotin, Pantothensäurekeinekeine Höchstmenge
Stand: EFSA-Übersicht Version 11 (August 2025), BfR-Stellungnahmen 2021 und 2024

„Keine Obergrenze“ heißt nicht „beliebig viel“, sondern dass die Daten für eine Grenze nicht ausgereicht haben.

Die kritischen Vitamine

Vitamin B6 – Nervenschäden. Dauerhaft zu viel führt zu Kribbeln und Taubheit in Händen und Füßen, Brennen, Muskelschwäche und Gangunsicherheit; die Schäden können bleiben. Laut Verbraucherzentralen finden die Überwachungsbehörden bei B6 besonders häufig zu hohe Mengen, Sportlerprodukte sind teils um mehr als das 30-Fache überdosiert. Mehr im Beitrag über Vitamin B6.

Vitamin A – Leber und ungeborenes Kind. Zu viel vorgebildetes Vitamin A kann die Leber schädigen und in der Schwangerschaft das Kind. Neben Präparaten ist Leber die Hauptquelle: Schlachttierleber enthält im Mittel 17 bis 29 Milligramm Vitamin A pro 100 Gramm – ein Vielfaches der Obergrenze von 3 Milligramm am Tag. Mehr im Beitrag über Vitamin A.

Vitamin D – Calcium und Nieren. Zu viel Vitamin D lässt den Calciumspiegel im Blut steigen. Die Folgen reichen von Müdigkeit, Muskelschwäche und Erbrechen bis zu Herzrhythmusstörungen, Nierensteinen und Nierenverkalkung. Das BfR warnt zudem vor hohen Einzeldosen im Abstand von Tagen oder Wochen. Über die Sonne kannst du dich nicht überdosieren. Mehr im Beitrag über Vitamin D.

Vitamin E – Blutungen. Hohe Dosen erhöhen die Blutungsneigung; das BfR sieht Hinweise auf Risiken schon unterhalb der Obergrenze. Für Menschen, die Gerinnungshemmer oder Aspirin nehmen, gilt die Obergrenze nicht – sie sollten Vitamin-E-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen. Mehr im Beitrag über Vitamin E.

Niacin – Flush. Nicotinsäure führt zu Hautrötung, Hitzegefühl und Juckreiz, in hohen Mengen auch zu Leberschäden. Mehr im Beitrag über Niacin.

Folsäure – verdeckter B12-Mangel. Hohe Folsäuremengen können einen Vitamin-B12-Mangel verschleiern, während sich dessen neurologische Folgen verschlechtern. Mehr im Beitrag über Folat und Folsäure.

Biotin – falsche Laborwerte. Kein klassisches Vergiftungsrisiko, aber hohe Dosen können Blutuntersuchungen verfälschen. Mehr im Beitrag über Biotin.

So schützt du dich

  • Zusammenrechnen: Leg alle Produkte nebeneinander, die du nimmst, und addiere die Vitaminmengen pro Tag. Nach den Daten, die das BfR zitiert, nehmen fast 30 Prozent der Menschen, die Nahrungsergänzungsmittel nutzen, zwei oder mehr Produkte. Vitamin E und C werden dabei am häufigsten doppelt aufgenommen.
  • Etiketten ernst nehmen: Angaben wie „RDA 3500 %“ sind nach dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ein Warnzeichen, besonders bei Ware aus dem Internet.
  • Mit Spielraum rechnen: Die tatsächlichen Gehalte in Nahrungsergänzungsmitteln dürfen laut DGE um bis zu 50 Prozent von der Angabe abweichen.
  • Bei Medikamenten nachfragen: Vitamin K und Gerinnungshemmer, Vitamin E und Aspirin, Biotin und Laborwerte – sprich das mit Arzt oder Apotheke ab.
  • Auf Symptome achten: Kribbeln in Händen und Füßen, anhaltende Übelkeit, Kopfschmerzen oder ungewohnte Müdigkeit nach Beginn eines neuen Präparats sind ein Grund, es abzusetzen und ärztlich abklären zu lassen.

Mehr zu allen Vitaminen im Überblick und zu Kombipräparaten unter Multivitaminpräparate. Stand der Werte: Oktober 2026.

Quellen

  • EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels, Version 11 (August 2025) – efsa.europa.eu (PDF)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe, Stellungnahme Nr. 009/2021 – bfr.bund.de (PDF)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe, Stellungnahme Nr. 006/2024 – bfr.bund.de (PDF)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6, Aktualisierung 2024 – bfr.bund.de (PDF)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Vitamin D: Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel unnötig, Stellungnahme Nr. 035/2020 – bfr.bund.de (PDF)
  • EFSA-Gremium für Ernährung (NDA): Bewertung der Höchstzufuhr für vorgebildetes Vitamin A und Beta-Carotin. EFSA Journal 22(6):e8814 (2024) – europepmc.org
  • Verbraucherzentrale: Mikronährstoffe – ab wann ist es zu viel?, Stand 19.08.2026 – verbraucherzentrale.de
  • Verbraucherzentrale: Gehirnvitamin B6 – braucht es wirklich ein Extrapräparat?, Stand 12.08.2026 – verbraucherzentrale.de
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Vitamin B6 – kritische Überdosierungen in Sportlerprodukten? (2019) – lgl.bayern.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: FAQ Nahrungsergänzungsmittel – dge.de
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für Vitamin A in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2021) – bfr.bund.de (PDF)